Samstag, 8. September 2012

“Während ich mitten auf der Brücke im Stau stand, weit oben über dem glitzernden East River, und zuhörte, wie Autos mit sinnlosem Hupen gegen den Stillstand rebellierten, musste ich plötzlich daran denken, was man als Kind so oft von seinen Eltern zu hören bekam: ‘Und wenn dir jemand sagt, du sollst von der Brücke springen, machst du das dann auch?’ Die korrekte Antwort war natürlich Nein. Aber da saß ich nun und war auf unheilvolle Weise mit der Gelegenheit konfrontiert. Es wäre so furchtbar einfach gewesen. Sicherheitsgurt öffnen. Tür aufmachen. Über die äußere rechte Spur sprinten. Den Zaun hochklettern. Mich drüber werfen. Eine Sekunde lang stellte ich mir vor, wie ich an diesem wunderschönen Tag durch die Luft flog, die Brust herausgestreckt, die Arme ausgebreitet. Schwerelos nach unten segelte. Und dann eintauchte. Das Wasser würde eiskalt sein. Der Tod schnell eintreten. Eine reizvolle Phantasie.” - Aus ‘Der Domino-Killer’
Und während ich diese Zeilen lese, merke ich, wie mir langsam die Tränen in die Augen steigen. Nicht aus Trauer, sondern weil ich es selber will. Den Tod.

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